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pausentaste

PausentasteBin neulich in einer Kleinstadt gewesen. Nee, so richtig eine Kleinstadt. Ihr wisst schon. Ein alter Stadtkern und ein paar Häuser drum rum. Irgendwo am Rand auch ein bisschen was mehr. Hochhäuser und so. Aber nicht viele. Nicht so, wie in Frankfurt. Nee, keine Bank dort im Viertel. Auch kein Restaurant oder so was. Höchstens eine Reinigung oder eine Kaufhalle. Schlafstadt sagt man wohl dazu. Obwohl, wer sagt eigentlich, dass da nur geschlafen wird? Ich weiß, das sagt man nur so, weil man da nicht arbeitet eigentlich oder eben nicht in ein Restaurant geht oder so ähnliches noch. Muss ich ja nicht erklären. Geht ja auch nicht darum. Hab ich ja auch nur gesehen im Vorbeifahren, als ich ins Zentrum wollte. War schon erstaunt, dass das immer noch Zentrum heißt und nicht City. Aber das wäre ja auch vermessen. War eben eine Kleinstadt. Hatte schon so den norddeutschen Touch. Backsteingotik und so. Sah eigentlich nicht schlecht aus. Wenn auch zwischen drin immer noch ein paar Häuser standen, wo ich lieber die Seite gewechselt hab. Die Straßenseite meine ich. Kann man ja nicht wissen, wann so ein Ding zusammenbricht. Alles schon da gewesen. Sollte man nicht für unmöglich halten. So was gibt's sogar in Großstädten. Aber darum geht's eigentlich auch nicht. Vielmehr hab ich was gesehen, was man nicht alle Tage sieht. Nicht in einer Kleinstadt und in einer Großstadt auch nicht. War nämlich ein bisschen außer Kontrolle geraten, das Städtchen. Also, nicht so außer Rand und Band, dass die Leute durchgedreht sind oder so was, nee, die Leute hatten einfach mal eine Pause eingelegt. Das war so. Es war so ein grauer Novembertag, trocken, kein Regen also, aber auch kein Schnee. Und Weiler so kurz vor Weihnachten war, wurde auch auf dem Marktplatz die Weihnachtstanne hergerichtet. Große rote Kugeln, ein paar Schleifen und Lichter hauptsächlich. Sah schick aus. Ein bisschen spießig, zugegeben, aber ich sagte ja bereits, so ein bisschen norddeutscher Touch war schon da. Der Himmel also war mächtig trübe, Sonne Fehlanzeige. Aber der Himmel war weit. Weil die Häuser so niedrig sind und alles ringsum flach ist. Norddeutsch eben. Man steht da, kuckt die Straße runter und sieht hinter dem letzten Haus nichts als Himmel. Der hört einfach nicht auf, denkt man. In den Läden in der Einkaufsstraße brennen Lichter. Klar, ist ja sonst auch viel zu duster. Das heißt, zuerst brennen die Lichter und dann irgendwann nicht mehr. Schluss. Die Lichter gehen einfach aus, hier und da versucht noch ein Notlicht, dem was entgegen zu setzen, aber auch die geben früher oder später auf. Stromausfall. Total. Die Verkäuferinnen in den Läden heben die Schultern und lächeln die Kunden an. Tja, da hilft wohl nichts. Wir müssen erstmal zu machen. - Wieso?, wird zurück gefragt. - Na kein Strom da. Da gehen die Kassen nicht. - Ach so. Ein paar Kellnerinnen in den Kaffees machen trotzdem weiter so gut es geht. Kerzen werden auf die Tische gestellt und gut. Der Strom kommt wieder irgendwann und das Wechselgeld haben die Damen im Schürzchen. Ist hier noch so, weil's eine Kleinstadt ist. Da muss nicht alles in super sicheren elektronischen Registrierkassen liegen. Die Ladentüren werden abgeschlossen oder einfach ein Aufsteller in den Weg gestellt. Die Verkäuferinnen stehen draußen vor Tür, tratschen mit den Kunden und rauchen Zigaretten. Ja wirklich, hier wird noch geraucht. Eine Mutter steht mit ihrer fast erwachsenen Tochter in der Mitte der Straße – ist Fußgängerzone – und sie unterhalten sich über Ding Dang Dong. Geht mich nichts an. Scheinen aber entspannt zu sein. Blicke Straße rauf, Blicke Straße runter. Überall duster. Alles draußen und – Pause. Ich stehe an der Straßenecke, wo gegenüber ein Bratrost steht. 'Bratwurst und Buletten' steht auf einem Schild. Und der Laden brummt. Klar doch, ist ja auch ein Bratrost – kein elektrischer. Geht also. Wie ich eben grade noch so den Anblick dieser kleinstädtischen Gelassenheit genieße, muss ich auf einmal fast laut lachen. Ich stelle mir vor, wie ich mein Telefon aus der Tasche ziehe und ein paar Knöpfe drücke. Eine bestimmte Nummernfolge vielleicht und – surr – da ist der Strom wieder. Und alles rattert los, ganz so, als sei nichts gewesen vorher, ganz so, als habe es diese kleine – es war wohl doch eine halbe Stunde – Pause nie gegeben. Und dann stelle ich mir vor, dass ich die Leute dann auch wieder anhalten kann, ganz so, wie sie im Augenblick verharren und ruhen. Ich bin fasziniert von dieser Vorstellung. Aber es ist nur eine Vorstellung, denn der Stromausfall war nicht meine Schuld und ihn wieder zu bringen liegt nicht in meiner Macht oder Kompetenz. Da sind andere für zuständig. Als ich davon gehe, denke ich noch, aber schlecht ist so eine halbe Stunde Pause wirklich nicht. Aber das geht vielleicht wirklich nur in einer wirklichen Kleinstadt. Shanghai Drenger



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